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13. Juni 2026

„In einer Welt voller Krisen wollen die Menschen einen Staat, der funktioniert und sie schützt“


Im Interview mit der „Welt am Sonntag“ erklärt der dbb-Bundesvorsitzende, welche Reformen der öffentliche Dienst jetzt wirklich braucht.

Mit Blick auf die Debatte über angebliche Privilegien des Berufsbeamtentums stellt der dbb-Bundesvorsitzende erneut klar: „Man spricht immer nur über die Vorteile und nie über die Pflichten und den Wert des Berufsbeamtentums für unser Land, die Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft. Beamte dürfen nicht streiken, sind leichter zu versetzen und sie haben einen Eid auf die Verfassung abgelegt und sich verpflichtet, die Demokratie zu verteidigen und zu schützen.“ 

Gerade das Streikverbot sei von enormer Bedeutung, so Geyer: „Schauen Sie zum Beispiel mal, was passiert, wenn man das Streikverbot aufhebt. Die Lokführer waren alle verbeamtet, die Züge fuhren. Dann kam die Privatisierung. Wenn die Lokführer jetzt für ihre berechtigten Interessen streiken, regt sich das ganze Land auf.“ Vorschläge für Bürgerversicherungen im Bereich Gesundheit oder Rente erteilt der dbb-Chef auch deswegen einmal mehr eine klare Absage: „Man kann nicht einzelne Bausteine aus dem Berufsbeamtentum herausbrechen und dann so tun, als hätte das keine Folgen.“

Vor allem populistisches "Beamtenbashing" durch Politikerinnen und Politiker verurteilt Geyer scharf: „Gehen Sie mal in eine Justizvollzugsanstalt. Beamte im mittleren Dienst, Schichtarbeit rund um die Uhr, regelmäßige Angriffe auf ihre Person, und das für 2.500 bis 3.500 Euro Brutto im Monat. Wer da von Privilegien spricht, der hat den Kontakt zur Wirklichkeit verloren.”

Reformbedarf im öffentlichen Dienst sieht Geyer dennoch, etwa bei der Digitalisierung: „Oft fehlen schlicht Personal und smarte digitale Anwendungen. Als die Ampel das Wohngeld Plus eingeführt hat, brauchte allein die Stadt Bonn 34 zusätzliche Stellen, Köln sogar mehr als 100. Nürnberg hat das mit einer KI-Anwendung geregelt.“ Mit Blick auf einen möglichen Kulturwandel in den Verwaltungen ergänzte er: „Ermessensspielräume brauchen zwei Dinge: Gesetze, die sie zulassen, und Führungskräfte, die ihre Leute ermutigen, sie zu nutzen. Ich gebe zu, daran fehlt es manchmal. Aber ich warne davor, zu verallgemeinern.“

Die Praxis zeige ein differenzierteres Bild: „Gehen Sie mal in das Bauamt einer mittelgroßen Stadt, in dem fünf Stellen unbesetzt sind. Da können Sie die Kultur ändern, so viel Sie wollen. Wenn das Personal fehlt, dauert die Bearbeitung länger. Das ist keine Mentalitätsfrage, das ist eine Ressourcenfrage.“ Die Erwartung der Bürgerinnen und Bürger an den öffentlichen Dienst sei aber klar: „In einer Welt voller Krisen wollen die Menschen einen Staat, der funktioniert und sie schützt.“

Das vollständige Interview gibt es in der Print-Ausgabe der „Welt am Sonntag“ vom 14. Juni 2026.

Ursprünglich veröffentlicht unter https://www.dbb.de

Quelle: dbb / 13.6.2026
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